Historie

Über Uns

Historie, Leitlinien und
Ziele

Als Teil der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung von Menschen mit Behinderung im Juli 1998 unter dem Namen „Liga Zukunft Assistenz e. V.“ gegründet, richteten wir unser Augenmerk zunächst darauf, Menschen mit Behinderungen in ihren Bemühungen um ein Leben mit Persönlicher Assistenz in der eigenen selbstgewählten Wohnung zu unterstützen.

Diese Unterstützungsform war seinerzeit noch recht unbekannt. Und insbesondere etliche Leistungsträger und Verantwortliche in Politik und Sozialverwaltung mussten nachhaltig und auch z. T. nachdrücklich sowie standfest von den Vorzügen eines freien Wohnens außerhalb von großen Heimen und Wohneinrichtungen überzeugt werden.

Persönliche Assistenz ist der Schlüssel zur Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen insbesondere mit höheren bzw. verschiedenartigen
Hilfebedarfen.
Gegenüber einer Versorgungsstruktur von klassischen
Behinderteneinrichtungen, welche den individuellen und notwendigen Unterstützungsbedarfen allzu häufig nicht gerecht werden können und zudem häufig auch kein Mitspracherecht bei der Suche und dem Einsatz der Unterstützungskräfte ermöglichen, kann die Persönliche Assistenz in vielen Fällen die Grundlage für eine echte Entfaltung, ja auch die Aufnahme einer wirtschaftlichen und ggf. beruflichen Erwerbstätigkeit darstellen.


Für weitere Informationen zur Persönlichen Assistenz für Menschen mit Behinderungen empfehlen wir übrigens gern die Lektüre der Internetseite www.assistenz.org sowie der Homepage des Bundesverband Forum selbstbestimmte
Assistenz (ForseA) e. V.
, mit welchem wir partnerschaftlich
verbunden sind.

Viele MitstreiterInnen und Organisationen, mit denen wir partnerschaftlich verbunden sind, haben es mittlerweile möglich werden lassen, dass die Persönliche Assistenz nunmehr flächendeckend in Deutschland angekommen bzw. bekannt geworden ist. Zwar sind im Einzelfall nach wie vor regionale Fälle von
Unkenntnis der Beteiligten, oder gar auch Täuschung,
Verzögerungstaktik bzw. offene Verweigerung von Leistungsträgern resp. Sozialverwaltungen festzustellen. Hier helfen wir selbstverständlich nach wie vor – gemeinsam mit unseren Partnern.

Zwar mit der Fokussierung auf Persönliche Assistenz und den Personenkreis von Menschen mit höhereren und/oder mehreren Unterstützungsbedarfen gegründet, verstehen wir
uns von Anfang an aber grundsätzlich offen auch für die Unterstützung in weiteren Lebensbereichen.


Hierbei setzen wir nunmehr den Schwerpunkt auf die Entwicklung der wirtschaftlichen und auch wirtschaftspolitischen Möglichkeiten im Umfeld von Menschen mit Behinderungen. Damit auch de Menschen mit Behinderung selbst ein Stück weit aus dem bislang üblichen“Kreislauf“ der Fürsorgesystematik, Gängelung und wirtschaftlichen Enteignung ausscheren und auch etwas echtes Gestalterisches aus ihrem selbst organisierten Leben machen können. Dies haben wir auch im Jahre 2001 mit der Verkürzung bzw. Umbenennung unseres Namens in LIZUKAS e.V. zum Ausdrck geracht.

Unter Wirtschaften verstehen wir jedoch ausdrücklich nicht die häufig suggerierte Privatisieung der Grundbedürfnisse der menschlichen Existenz sowie
Arbeit im Sinne von Erwerbsarbeit um (fast) jeden Preis nach h. M, sondern ein weiteres langfristiges Mittel zur Erlangung echter sozialer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Teilhabe zur Vollendung einer inklusiven Gesellschaft in Deutschland.
Die auch im Sozialgesetzbuch IX verankerte „Teilhabe am Arbeitsleben“ beruht jedoch nach wie vor auf der rehabilitationsdogmatischen Zielsetzung, idealerweise für jeden Menschen mit Behinderung – nach dessen
Möglichkeiten – eine Hilfe zur Beschäftigung mit dem Ziel des „Herausarbeitens“ aus Behinderung sowie evtl. notwendigem Bezug von existenzsichernden Leistungen zu erreichen. Und das möglichst in Vollzeitbeschäftigung im Status als Arbeitnehmer bzw.
(anzuleitenden) abhängig Beschäftigten.

Angesichts einer rasanten Veränderung der Arbeitswelt im Allgemeinen sowie einer exponentiellen Verdoppelung
des Wissens und der Entwicklung der Informationstechnologie während der letzten 25 Jahre bei gleichzeitiger „Stagnation“ bzw. Rückgang der
Beschäftigung von (schwer-) behinderten Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt – und gleichzeitiger hoher Zunahme der Beschäftigtenzahlen
von Menschen mit Behinderungen nur mit arbeitnehmerähnlichem Status bei gleicheitiger mieser Bezahlung von monatlich
durchschnittlich ca. 160,00 € (ohne
Anwendung des gesetzlichen Mindestlohns, der hier aufgrund
einer gesetzlichen Ausnahme nicht gilt!)

in
den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) –
lässt sich aus unserer Sicht jedoch nunmehr klar
festhalten:

1. Die bisherigen
arbeitsmarktpolitischen Instrumente haben – auf lange Sicht
gesehen –
in ihrer derzeitigen Ausprägung nicht die erhoffte langfristige
Beschäftigung halten können (und müssen als ganz klar
gescheitert
betrachtet werden!). Die zahlreichen Arbeitsmarktförderprogramme
nutzen
die
Arbeitgeber oft aus. Sie kalkulieren ihre Beschäftigung von
Menschen
mit Behinderung in nicht wenigen Fällen ganz klar
von der Einstellung bis zur absehbaren (beabsichtigten
zeitigen/zeitlichen) Beendigung des
Anstellungsverhältnisses alles und häufig nur wegen der
Förderung durch
die Agentur für Arbeit dermaßen durch. So wechseln sich nicht
selten
4-Jahres-Zyklen von Beschäftigung und leider oft gleichlangen
Phasen
von Arbeitslosigkeit mehrfach in der Arbeits- bzw.
Beschäftigungsbiografie von Menschen mit Behinderungen ab.

2. Die häufig als Alternative
zu
einer Beschäftigung im Anstellungsverhältnis zu einem
Arbeitgeber
angedachte Aufnahme einer selbstständigen
Tätigkeit im klassischen Sinne wird etlichen Menschen mit
Behinderungen
oftmals nicht gerecht, da deren Wunsch nach einer
Teilzeit-Beschäftigung auf selbstständiger Basis oftmals hohe
Hürden
(v. a. hoher
Mindestbeitrag in der Gesetzlichen Kranken- und
Pflegeversicherung,
häufige Ablehnung von Teilzeitbeschäftigungen bei der Erstellung
und
Begutachtung von Businessplänen durch die zuständigen Kammern
wegen
nicht gesicherter wirtschaftlicher Tragweite [aufgrund
regelmässig unterstellter notwendiger Tätigkeit in Vollzeit,
welche nun einmal nicht in dem gewünschten Maße leistbar sei…]
) entgegengesetzt werden.

3. Im Zuge der allgemeinen
Reformen auf dem Arbeitsmarkt und der Einführung von „Hartz IV“ im Jahre 2005 wurde deutlich, dass die hehren
arbeitsmarktpolitischen Ziele bei weitem nicht erreicht wurden. Stattdessen werden auch schwer vermittelbare Menschen ohne eine Behinderung unter Androhung von
Sanktionen vermehrt dazu genötigt, auch in Werkstätten für
Menschen mit Behinderungen zu den vorgenannten schlechten Konditionen zu arbeiten.

 

Wir anerkennen grundsätzlich die Erfolge etlicher Dienstleister im Bereich von Arbeitsassistenz und Unterstützter Beschäftigung. Ihr Service geht ausdrücklich über den Status von „Leuchtturmprojekten“ hinaus – wenngleich es mitunter schwer fallen mag, in der eigenen
näheren Nachbarschaft solch ein hervorragendes Ähnliches auf Anhieb zu finden.

Das vermag jedoch aus unserer Sicht nicht ausreichend zur Diskussion über echte wirtschaftliche Partizipation beizutragen. Denn wirtschaften bzw. am Wirtschaftsleben teilzuhaben, ist nicht allein auf die Arbeit oder den Arbeitsmarkt (als einen der Teilmärkte im Wirtschaftskreislauf) beschränkt.

Genau hier setzen wir mit unserem Engagement an:

Wir schärfen das Bewusstsein dafür, dass Menschen mit Behinderungen nicht lediglich Wirtschaftsobjekte
sind, an denen – nicht nur – eine Wohlfahrtsindustrie (nicht zu knapp!) verdient, während ihnen selbst keine Verdienstmöglichkeiten zugestanden und obendrein eine längerfristige Vermögenshöchstgrenze von
2.600,00 € aufgedrückt werden.
Als Wirtschaftssubjekte sich begreifend und mit dem nötigen Empowerment ausgestattet, können Menschen mit Behinderungen viel mehr bewegen, als sie sich bislang vorzustellen vermochten.

Erfahren Sie mehr…

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